Wo Winterträume wahr werden – Schwedisch-Lappland

Wenn man an Schweden denkt, hat man direkt die vielen Seen vor Augen, die tiefen Wälder und die unendliche Weite. Einen Sommer in Schweden verbindet jeder mit dem perfekten Outdoorerlebnis, den roten Holzhäusern mit Sauna am See oder einfach pure Entspannung in der Natur. Natürlich kann Schweden auch mit tollen Städten punkten, für alle, die es lieber urbaner mögen.

Doch auch während der Wintermonate ist das flächige Land ein wahrer Traum für Natur- und vor allem Schneeliebhaber. Schweden ist über 1600km lang und bietet daher ein extrem flächiges Naturschauspiel mit den unterschiedlichsten Landschaften und Klimabedingungen.

Lappland – ein Land?

Wenn man über Lappland spricht gibt es unterschiedliche Definition, wie diese Region einzuteilen ist. Es umfasst die Länder Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Entweder man bezeichnet die gesamte Region des nördlichen Polarkreises als Lappland oder man bezieht sich auf die Siedlungsgebiete bzw. den Kulturraum der Samen. Eins ist definitiv sicher, es handelt sich hierbei um eine enorme Fläche mit sehr geringer Einwohnerzahl. Die meisten Menschen wohnen in den größeren Städten, wie zum Beispiel Kiruna, Arvidsjaur, Jokkmokk, Malmberget und Gällivare (Schweden), Rovaniemi, Inari und Tornio (Finnland) oder Kirkenes (Norwegen). Abseits davon trifft man eher auf Rentiere als auf Menschen. Außerhalb der Städte kommt man auf unter 0,1 Einwohner pro Quadratkilometer. Zählt man die Städte mit sind es gerade mal 2 Einwohner pro Quadratkilometer.

extremes Lappland

Dem Sommer mit permanenter Sonneneinstrahlung und Temperaturen bis an die 30 Grad steht der extreme Winter gegenüber. Tagelange Dunkelheit und Temperaturen bis -35 Grad oder weniger prägen das Leben der Menschen im Norden Schwedens. Was man sich als Mitteleuropäer kaum vorstellen kann, ist für die Bevölkerung hier Normalität. Mit den Temperaturen und dem fehlenden Sonnenlicht muss man erst einmal zurecht kommen. Ich war zumindest froh, dass sich die Sonne während meiner Zeit in Kiruna und Abisko immerhin noch für zwei Stunden am Tag zeigte, wahrlich ein Highlight, aber nicht mehr für Lange. Mitte Dezember wird es erstmal nicht mehr hell werden.

Was macht man eigentlich im Winter in Lappland?

Als Outdoorneuling in Lappland

Die wohl üblichste touristische Variante ist es, sich ein Hotelzimmer, eine Ferienwohnung oder Lodge in einer Stadt zu nehmen, die man mit dem Nahverkehr gut erreichen kann. Von jeder Stadt aus lassen sich Tagesausflüge organisieren. So kann man am einfachsten in einige Aktivitäten hineinschnuppern. Das Ganze ist so natürlich nicht gerade preisgünstig und der richtige Outdoorflair wird wohl auch nicht aufkommen, jedenfalls nicht, wenn man anderes gewöhnt ist.

Trotzdem ist es so eine bequeme und warme Variante für alle Neulinge, um sich mit den äußeren Bedingungen und verschiedenen Aktivitäten vertraut zu machen. Die meisten Anbieter bieten Transferleistungen von und zur Unterkunft an. Zusätzlich kann man warme Ausrüstung dazu mieten (Winterjacken,-hosen, Boots und Handschuhe). Oft ist diese bei der Tourbuchung inklusive.

Wenn man zum ersten Mal in der Region ist, empfehle ich auf alle Fälle eine Huskyschlittentour. Bei den Tagestouren ist man dabei aber meist nur „Beifahrer“. Alles andere wäre wohl auch zu unsicher und vielleicht auch unseriös. Denn das selbstständige Fahren eines Schlittens benötigt etwas Übung. Daher kann man sich in diesem Fall auf einen erfahrenen Musher verlassen, die Fahrt auf dem warmen Rentierfell genießen und die Hunde abschließend für ihre harte Arbeit mit Streicheleinheiten belohnen.

Ausflüge in die Natur gibt es wie Sand am Meer. Neben den Schlittentouren mit Huskies oder Rentieren sind Schneeschuhwanderungen oder Natursafaris mit dem Jeep oder dem Schneemobil möglich. Auch Tagestouren mit Ski und Pulka, Abfahrtsski, Skilanglauf oder Eislaufen kann man bei genügend Kälte und Schnee in vielen Regionen durchführen.

In einigen Gebieten gibt es touristische Samidörfer, welche man besichtigen kann. Neben dem Kennenlernen des traditionellen Lebens der Samen hat man auch die Gelegenheit ganz nah an die Rentiere heran zu kommen und ggf. eine Schlittenfahrt zu unternehmen.

Darf es etwas mehr sein? Ideen für Outdoorerfahrene

Wer bereits weiß wie es ist, fernab von Zivilisation zu sein, wird die Ruhe und Abgelegenheit der Weite Schwedens bevorzugen. Aber auch hier darf man Sommeraktivitäten nicht mit denen im Winter verwechseln und daher rate ich von Selbstüberschätzung ab.

Ein netter, einheimischer Guide kann vor den Wetterlaunen und Unvorhersehbarkeiten der Natur schützen, Tipps zum Outdoorleben geben und bei Problemen helfend eingreifen.

Bei Mehrtagestouren in Lappland, insbesondere im Fjäll, sollte man sich der massiven Wetterumschwünge und der Temperaturen bis zu -35 Grad vorher bewusst sein. Ohne entsprechende Ausrüstung und Orientierung kann es hier schnell zu tödlichen Unfällen kommen. Ein Feuer im Sommer zu entfachen ist nicht so schwierig wie im Winter. Und das ist nur ein Aspekt.

Tourenanbieter bieten auch Mehrtagestouren verschiedener Art an. Ob mit Huskyschlitten, auf Ski oder Schneeschuhen, auch hier gibt es viele Möglichkeiten. Die Suche nach einer geeigneten Hütte oder dem Zelt bleibt einem selbst dabei erspart und man kann sich voll und ganz auf die Tour konzentrieren. Wobei die Mitarbeit und Unterstützung des Tourenteams immer Voraussetzung ist. So sollte man sich auf Aufgaben wie Feuermachen, Wasserholen, das Versorgen und Einspannen der Hunde und selbstständiges Kochen einstellen. In den Unterkünften der Mehrtagestouren lebt man auch mal ohne Strom und fließend Wasser, in Zelt oder Jurte sowieso. Wer eine winterliche Fjälltour auf eigene Faust durchführen will, wird dies sowieso in den seltensten Fällen ganz alleine tun. Dies sollte auch nur von Outdoorprofis durchgeführt werden, die bereits genügend Erfahrung gesammelt haben.

Tourenanbieter von Tages- und Mehrtagestouren

Rund um Abisko

Activities Abisko Tagestouren

Outback Abisko Tagestouren

LightsoverLappland Tagestouren und Pakete mit Unterkunft

Lapplandmedia spezielle Fototouren

Rund um Lulea

Lulea swedish Lappland Tagestouren und Pakete mit Unterkunft

Lulea Travel Tage- und Mehrtagestouren und Pakete

Lulea Guided Tours Tage- und Mehrtagestouren und Pakete

visitlulea Tage- und Mehrtagestouren und Pakete

Rund um Umea

visitumea Tage- und Mehrtagestouren und Pakete

umeatours Tage- und Mehrtagestouren und Pakete

Rund um Kiruna

Kiruna Adventures Tages- und Mehrtagestouren

Kiruna Guidtur Tages- und Mehrtagestouren

Kiruna Sleddogtours Tages- Mehrtagestouren mit Huskies

Explore Kiruna Tages- und Mehrtagestouren

Kiruna Lappland Tages- und Mehrtagestouren

Lappland Wilderness Tours Tages-und Mehrtagestouren

scandinavian photoadventure spezielle Fototouren

snowdog Tages und Zweitagestouren mit Huskies

huskytoursLappland Tages- und Mehrtagestouren mit Huskies

Sami Siida Tagestouren Samen+ Rentiere- Übernachtung möglichKiruna Husky Tages- und Mehrtagestouren

Ecotours Tages-und Mehrtagestouren

Taubeactivity Mehrtagestouren

Ich selbst war mit den Sledgedogtours und Sami Siida in Kiruna unterwegs sowie eine Woche mit „White Horizon“ (Arjeblog/Melanström) Bei Johanna und Konstantin (White Horizon) verbrachte ich eine äußerst ereignisreiche Woche und ich werde sicherlich für eine mehrtägige Skitour mit Pulka und auch weitere Huskytouren zurückkehren. Ich habe in dieser Zeit unglaublich viel gelernt über den Umgang mit Huskies und einige Muster Erfahrung sammeln können.

Natürlich gibt es auch sehr viele deutschsprachige Pauschalreiseanbieter, bei denen ihr Unterkunft und Touren direkt in einem buchen könnt. Wer sich speziell für Huskies interessiert, kann auch mal bei „HeyHusky“ vorbeischauen. Hier finden sich auch Touren für Alaska, Grönland und Kanada.

Die Sammlung entspricht meiner eigenen Recherche und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Meine Erfahrungen folgen im nächsten Bericht.

Was tun gegen die Kälte?

Das einfachste ist natürlich, mit ihr Leben zu lernen. Denn deshalb entscheidet man sich für eine Reise in den Norden. Ich habe selbst einige Tage Eingewöhnung benötigt und es war im Dezember nicht mal sonderlich kalt (max.-17 Grad). Das Zwiebelprinzip hilft hier am Besten. Mehrere Lagen aus (Merino-)Wolle halten auch bei schweißtreibenden Aktivitäten warm. Auf keinen Fall sollte man Baumwollkleidung tragen und auch die übliche Kunstfasersportkleidung eignet sich eher weniger. Die stark wasserhaltige Hautcreme kann getrost zu Hause bleiben und man sollte sich an das abendliche Duschen gewöhnen und am Morgen darauf verzichten. Weniger Feuchtigkeit in der Haut bedeutet gleichzeitig weniger Chance mit fiesen Frostbeulen nach Hause zu gehen.

Ob bei der Schneeschuhwanderung oder der selbstgefahrenen Huskyschlittentour, es wird mit der Zeit doch sehr warm und so ist man froh, wenn man eine Schicht ablegen kann oder zumindest nicht komplett nass geschwitzt ist. Wer sich nicht bewegt, also auf dem Schlitten, dem Schneemobil oder dem Pferd sitzt, sollte lieber eine Schicht extra anziehen. Das gleiche gilt natürlich auch beim Eisangeln.

Insbesondere die Zehen, Finger und Ohren werden sehr schnell kalt. Wind- und wasserdichte Jacke, Mütze, Hose und Handschuhe sind unabdingbar, vielerorts aber auch leihbar, wenn man selbst nicht die nötige Ausrüstung parat hat. 

Einer der größten Fehler ist es, zu eng anliegende Kleidung und Schuhe zu tragen. Ein bis zwei Nummern größer sollte es also sein. Es bietet sich schon allein wegen der wärmeren Socken an, zudem sollte noch Platz für warme Luft am Fuß bzw. Körper sein.

Meine eigene Packliste findest du hier.

Ich will Polarlichter sehen!

„Vergiss es! Wer so an die Sache ran geht, wird höchstwahrscheinlich enttäuscht werden.“ (Belehrung eines weisen, deutschsprachigen Knallkopfes :D) Wer in Städten übernachtet, hat aufgrund der Lichtverschmutzung generell eher wenig Chancen das Naturschauspiel zu sehen. Entweder bucht man sich also eine Polarlichttour, bei der man von einem Guide in die Natur begleitet wird und der gleichzeitig ein Auge auf die Wahrscheinlichkeit, die Wetterbedingungen und den Himmel hat oder man sucht sich generell ein Waldquartier oder ein kleines Dorf. Polarlichtertouren sind teuer und es macht wenig Sinn sie Monate vorab zu buchen.

Die Wahrscheinlichkeit Polarlichter zu sehen wird über den KP- Index angegeben (Stufe 1 bis 9). Hierbei wird die Stärke der Auftretenden Sonnenwinde angegeben und die daraus folgenden, sichtbaren Nordlichter abgeleitet. Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher ist die Sichtbarkeit, vorausgesetzt der Himmel ist nicht bewölkt. Ab Ende September bis in den März hinein kann man mit Polarlichtern rechnen aber sie trotzdem nicht erwarten. Manchmal braucht es einfach etwas Glück. Wer also eine Tour buchen möchte, kann sich vorher über den aktuellen KP Index informieren. Dann lohnen sich die Ausgaben für die Buchung etwas mehr. Übernachtungstouren erhöhen wiederum die Wahrscheinlichkeit. Aber auch wenn man beim ersten Mal nicht erfolgreich ist, eine Rückkehr lohnt sich auf alle Fälle.

Tourenvideo

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