Meine Erfahrungen mit dem 55km Mammutmarsch

Meine Teilnahme am Mammutmarsch war wirklich sehr spontan. Nach meiner langen Tour durch Irland und Schottland entschied ich mich einfach so für die Teilnahme am Wochenende beim Mammutmarsch im Rheingau.

Daher absolvierte ich kein spezielles Training sondern lief einfach meine normale Fernstreckentour zuvor. Noch nie im Leben war ich mehr als 50 Kilometer an einem Tag gelaufen. Einen kleineren Wandermarathon habe ich im Pfälzer Wald schon vor zwei Jahren mal absolviert (43,5km). Meine Erinnerungen daran waren aber schon wieder etwas verschwommen, als ich mich für den Mammutmarsch angemeldet hatte.

Der Vorteil war sicherlich, dass ich sonst mit deutlich mehr Gepäck laufe und es so wirklich leicht war voran zu kommen.

Die Organisation des Marsches hat mir sehr gut gefallen. Am Hafen von Wiesbaden Schierstein sollte es nun also los gehen. Viel Verpflegung hatte ich nicht dabei, denn dafür wurde ja vom Team Mammutmarsch gesorgt.

Die Stimmung war bombastisch. Gute gelaunte Menschen, Musik und viel Motivation. Das Wetter war zumindest bis zum Start trocken. Ich kam mir in dem Moment etwas untrainiert vor. Es sahen viele wie professionelle Trailrunner raus, die sich schon mal mit Hüpf- und Dehnübungen vorbereiteten, während ich noch meinen Kaffee schlürfte. In den unterschiedlichen Startgruppen ging es dann los. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich diese Sportskanonen nie wieder sehen würde und sie sicherlich auch keine Stirnlampe benötigen werden.

In der zweiten Startgruppe war ich nun dran und mit dem Startsignal hechteten alle los, als wären sie auf der Flucht. Da zu Beginn das Feld sehr eng war, musste ich mich zwangsläufig einen mir unüblichen Tempo anpassen. Welches Tempo ich drauf hatte, konnte ich erst mit abschließenden Blick auf meine Aktivitätsaufzeichnung nach der Tour feststellen. Für mich kam das dem „Laufen“ schon sehr nahe.

Mit dem plötzlich auftretenden Schauer entzerrte sich das Feld aber und schon beim 15km Schild lief es sich recht entspannt in Kleingruppen. Trotzdem verspürte man immer einen gewissen Druck voran zu kommen und konnte daher die Umgebung kaum wahrnehmen. Zum Glück kannte ich die Gegend eh, daher war es nicht so schlimm.

Wenn man alleine an den Start geht, so wie ich, ist es ziemlich sinnvoll sich netten Mitläuferinnen und Mitläufern anzuschließen, die einen in schwierigen Momenten motivieren und den Spaß an der Sache fördern. Und so fand ich eine nette Laufgefährtin, die mich bis zum Schluss begleitete. Zum Glück! Denn ich hatte einen unfassbaren Tiefpunkt bei der ersten Versorgungsstation bei Kilometer 16.

Pause machte ich nicht. Aber ich trank immerhin ein Schluck Wasser und nahm mir eine Banane mit. Zusätzlich gab es (leider) eine Schmerztablette, denn meine Hüfte machte mir unbekannte Zicken.

Und so zog sich Kilometer um Kilometer mit teilweise schnittigen Aufstiegen hinein in die Weinberge des Rheingaus. Regen begleitete den größten Teil der Strecke.

Eine erste Sitzpause machte ich bei der Pausenstation hinter Kilometer 30. Es war für mich auch Zeit die Socken zu wechseln und kurz den Füßen Freiheit zu gönnen. Dazu gab es Kaffee, Tee und ein belegtes Brötchen.

Im Laufe des Weges sah man dann mit zunehmenden Kilometern immer mehr Menschen ausscheiden, einige humpelten oder verpflegten ihre Füße. 30 Kilometer sind an sich nicht viel, aber das Tempo macht da schon einiges aus, ebenso wie die wenigen Pausen, die man sich gönnt.

Zwischen Kilometer 35 und 45 ging es mir erstaunlich gut! Es lief! Das änderte sich bis zu Kilometer 50 dann wieder. Irgendjemand hatte das 50 Kilometerschild geklaut. Und ich zweifelte arg an meinem Kilometerzähler! „Es muss doch nun endlich kommen..“

Das Gefühl die 50 Kilometer nie zu erreichen war sehr bedrückend. „Wer klaut denn bitte so ein Schild? Das geht gar nicht!“

Gegen Ende hatte ich dann wirklich schon unfassbare Schmerzen in den Beinen und vor allem in meinen Zehen. „Nur nicht stehen bleiben“, dachte ich mir. Das ganze erinnerte mich eher an einen inneren Kampf, eigentlich würde man sich einfach gerne hinsetzen oder hinlegen oder schlafen oder essen oder oder…

Erstaunlicherweise erreichte ich das Ziel mit Einbruch der Dunkelheit und benötigte daher selbst auch keine Stirnlampe. „Jippi!“

Beim Zieleinlauf kamen einem bereits Angekommene humpelt entgegen, die schon auf dem Weg zum Auto waren. Ich war mir sicher, dass ich nicht mehr in der Lage war Auto zu fahren.

Nun denn, so kam ich nach 10 Stunden und 51 Minuten und 55 Kilometern völlig erschöpft im Ziel an.

Ich war unglaublich erleichtert, ein wenig stolz aber noch mehr müde.

Es gab noch ein Abschlussradler mit meiner Laufgefährtin und wir applaudierten noch den weiteren Ankömmlingen am Ziel.

Erst einige Tage später bekam ich dann noch ein paar wunderbare Folgeerscheinungen. Blaue Zehennägel. Sehr schön. Dieses Problem hatte ich noch nie und es ist wirklich nicht schön. Außerdem hatte ich viel, viel zu wenig getrunken. Auch das blieb nicht ganz ohne Folgen.

Zum Schluss kann man sagen, dass es wirklich eine besondere Herausforderung ist, an einem Wettkampf dieser Art teilzunehmen. Es hat sicherlich einige Vorteile und man kann sich selbst mal wunderbar in den Arsch treten 😀

Allerdings muss ich sagen, dass ich lieber meine Streckentouren in meinem Tempo mache, da bekomme ich landschaftlich mehr mit und es klappt auch mit den Zehen. Ein 100 Kilometer Marsch stand auch mal auf meiner Liste, allerdings kann ich auf die erstmal verzichten. Vielleicht kommt irgendwann wieder die Zeit, in der ich solche Herausforderungen gern habe. Meine Zehennägel heilen leider immer noch, so lange sollte man wohl besser eh warten.


little Mammutmarsch

Funktionsoberteil ( T-Shirt oder Longsleeve)
Wanderhose /Leggins
Funktionssocken + Wechselpaar im Rucksack
Buff / Stirnband
Fleecejacke /Merinojacke
Regenjacke / Regenponcho / Regenhose
Tagesrucksack ca. 20l
Regencover für den Rucksack
Stöcke (wenn man mag)
Stirnlampe
1- 2 Liter Wasser /Trinkflasche oder -blase
1. Hilfe Set mit Blasenpflaster / Zeckenzange etc.
Bargeld
Smartphone
Powerbank

Am Körper solltest man immer passende Wanderkleidung tragen und gut eingelaufene Schuhe (Wanderschuhe / Trailrunner)
Natürlich kommt es dabei auf die Jahreszeit an und das Wetter am Lauftag. Spezielle Funktionssachen sind am besten geeignet. Für die Wegbeschreibung, Kartenmaterial, warmen Tee , Kaffee etc. sorgt der Veranstalter.

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