Vom Outdoorhype und Umweltschutz

Immer mehr Menschen treibt es nach draußen, der Drang nach Abenteuern, Freiheit und frischer Luft ist im letzten Jahr noch einmal deutlich gestiegen. Doch hat sich damit auch die Berichterstattung über hinterlassene Mülllandschaften, von illegalen Gipfelcampern, wildparkenden Vans im Naturschutzgebiet und lautstarken Partys im Wald drastisch erhöht und es stellt sich die Frage inwieweit unsere „Outdoorlust“ noch im Einklang mit der Natur ist.

Während meiner Wanderungen sehe ich immer wieder arglos weggeworfene Getränkedosen, Zigarettenstummel und Plastikverpackungen. Aufgetürmte Steine am Flussbett, die für den einen Schnappschuss drapiert wurden und zertrampelte Blumenwiesen und Felder, die als „perfekter Instagramshot“ deklariert wurden. Waghalsige Flipflop-Wanderer klettern steile Felsen hinauf, um oberhalb eines Wasserfalls zu schwimmen, obwohl dies ausdrücklich verboten ist. All das ergänzt die immer noch stark ausgeprägte illegale Müllentsorgung in unserer Umwelt.

Auch ich teile Fotos meiner Touren in den sozialen Netzwerken. Immer wieder überlege ich, ob es sinnvoll ist, den Ort des Fotos anzugeben oder ihn lieber in seiner ruhigen Schönheit einfach so wenig bekannt zu lassen, wie er ist.

Oft frage ich mich auch, was die Beweggründe hinter dem perfekt inszenierten Bild einer im Ballkleid posierenden Frau auf einem schwer erreichbaren Gipfel in den Alpen ist. Sicherlich ist es in diesem Fall kaum mehr die Schönheit und Liebe zu der Natur und auch nicht die Freude an der Bewegung. Denn ich habe ehrlich gesagt noch niemanden wirklich einen Berg in High-Heels erklimmen sehen und würde davon auch dringend abraten.

Von der Toxischen Beziehung in das faire Miteinander

Würde man das Verhalten und den Umgang des Menschen mit der Natur mit der einer partnerschaftlichen Beziehung vergleichen, könnte man wohl kaum abstreiten, dass es sich hierbei nur zu oft um eine toxische Beziehung handelt. Die Balance zwischen Geben und Nehmen ist nicht nur Sache großer Unternehmen sondern spiegelt sich auch im Verhalten jedes Einzelnen wider. Sei es im Alltagskonsum oder eben draußen in der Natur, gerade in den Momenten, in denen wir die Vorzüge und Schönheit unserer Umgebung schätzen und nutzen.

Wir lieben es in unberührte Wälder abzutauchen, unseren Blick vom Gipfel über die Weite der Berge schweifen zu lassen oder an einer Steilküste auf das tiefblaue Meer zu blicken. Die Natur gibt uns Ruhe, neue Energie, saubere Luft und Erholung. Doch wenn wir diese Schönheit für längere Zeit genießen wollen, ja sie sogar für die nachkommenden Generationen erhalten wollen, sollten wir zumindest mit kleinen und für uns eigentlich einfachen Schritten dafür sorgen, dass es so bleibt.

Nachhaltige Outdoorerlebnisse gestalten

Ist es also möglich den eigenen Drang nach dem Abenteuer, dem Erlebnis in unberührter Natur, der sportlichen Herausforderung oder dem ganz individuellen Grund jedes Einzelnen in Einklang mit der Umwelt zu bringen?

Ich würde sagen, dass man sich zumindest bestmöglich an gewissen Regeln halten kann, damit der Eingriff in die noch weniger vom Menschen erschlossenen Gebiete so gering wie möglich ausfällt.

Anlässlich des „Earth Days“ möchte ich heute einige wichtige Regeln bei Outdooraktivitäten wie Wandern, Trailrunning und dem allgemeinen Campen im Wald auch hier auf meiner Seite beleuchten.

1. Sei Vorbereitet

Eine gute Vorbereitung, Kenntnis über die Landschaft und Anforderungen dienen nicht nur allein dem Selbstschutz sondern auch dem Schutz der Umwelt. Das Wissen um Naturschutzgebiete, Wasserquellen, spezielle Brutgebiete und ansässige Tierarten und Pflanzen kann sich in dem Sinne nur positiv auswirken.

Mit einer guten Planung landet man nicht mitten in der Nacht an einer äußerst ungeeigneten Stelle und muss dort illegal sein Camp im Schutzgebiet aufschlagen.

Bereite deine Tour und Ausrüstung also so vor, dass du der Natur möglichst wenig Schäden zufügst und gleichzeitig dich und andere nicht in Gefahr bringst.

Nutze Trinkflaschen und Brotdosen, anstelle von Plastikverpackungen. Trage einen Müllbeutel mit dir, um deinen eigenen und Müll anderer zu entsorgen. Brauchst du wirklich eine warme Malzeit? Muss es dann ein Lagerfeuer sein und ist es überhaupt erlaubt? Oder kannst du einen kleinen Kocher mitnehmen?

2. Bleib auf dem Weg

Wegenetze sind allgemein schon ein Eingriff in die Natur. Sie wurden angelegt, damit wir sie nutzen und nicht willkürlich durch das Unterholz trampeln, Blumen und Sprösslinge zertreten und das Wegenetz willkürlich erweitern. Vielbegangene Wege sind oft ausgetreten, matschig und unbequemer zu gehen.

Trotzdem heißt es „Mittendurch statt außen herum!“ Vermeide es Wege zu verlassen und sie zu verbreitern indem du unschönen Hürden aus dem Weg gehst.

Tier und Pflanzenwelt freuen sich über den Respekt, den du ihnen damit zollst. Viele Menschen machen sich Gedanken um das Anlegen von Wanderwegen. So ist der gut geführte eine Weg besser als viele unschöne, zerstörerische Wege durch das Unterholz.

3. Vermeide offenes Feuer

Ein Lagerfeuer ist schön und gemütlich. Doch benötigt es viele Ressourcen, gerät allzu oft außer Kontrolle und verursacht schwere Waldbrände. Daher solltest du es vermeiden.

Ein kleiner Kocher hinterlässt viel weniger Veränderungen in der Landschaft und ist einfacher zu kontrollieren.

An vielen Orten gibt es auch fest angelegte Feuerstellen, die man nutzen kann. Dabei solltest du darauf achten, das Feuer klein zu halten und Funkenflug zu vermeiden.

Es ist deine Aufgabe, das Feuer ordnungsgemäß ausbrennen zu lassen oder zu löschen. Beachte, dass es viele Regionen gibt, in denen im Allgemeinen kein offenes Feuer erlaubt ist. Informiere dich und halte dich daran!

4. LASSE NICHTS ZURÜCK

Egal ob Plastikmüll, Taschentuch oder Essensreste. Nichts davon gehört in die Natur. Sogar für die Bananenschale wird sich ein Plätzchen im Rucksack finden, das Gewicht und Volumen hat sich ja schließlich mehr als halbiert.

Das gleiche gilt auch für deine menschlichen Hinterlassenschaften. In manchen Regionen wird es dir aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht möglich sein ein ca. 15 cm tiefes Loch zu graben. Daher solltest du auch diese Hinterlassenschaften nicht einfach liegen lassen.

Auch für das Graben von Löchern ist zu beachten, dass du weit genug von Wasserquellen, Bächen und Flüssen entfernt bist und möglichst organischen Boden nutzt. Nur so kannst du sicher stellen, dass dein eigenes und das Trinkwasser anderer Lebewesen nicht belastet wird und eine natürliche Zersetzung stattfindet.

5. Respektiere andere Lebewesen

Tiere schätzen die Ruhe und Distanz, also halte dich daran. Kein Foto ist es Wert einem Tier nachzustellen.

Nutze einfach deinen Kamerazoom oder genieße den Moment mit deinen eigenen Augen.

Laute Gespräche und große Gruppen von Menschen sollten dringend vermieden werden. Die einzige aber wohl seltene Ausnahme bildet die direkte Konfrontation mit Bären. Ich hoffe du kommst nicht in diese Situation!

Auch wenn es noch so toll scheint ein Tier zu füttern, fügst du ihm damit nur Schaden zu. Zum einen verliert es die Distanz zum Menschen und zum anderen kann es durch die Aufnahme der Nahrung qualvoll sterben oder als Jungtier vom Muttertier verstoßen werden.

Verpacke deine Lebensmittel daher auch immer gut, denn sonst kann es schnell zu unliebsamen Nachtbesuchen kommen.

Gib den Tieren genug Raum, um zu ihren Wasserquellen zu gelangen.

Spiele nicht den Samariter bei verletzten Tieren, informiere stattdessen die zuständige Behörde.

6. WÄHLE GEEIGNETE STELLFLÄCHEN

Generell solltest du dich immer über die gegebenen Regeln zum Wildcampen in dem jeweiligen Landes informieren, in dem du unterwegs bist.

Ausgewiesene Campingplätze und offizielle Trekkingcamps sind dem Wildcampen immer vorzuziehen.

Handelt es sich aber um eine Tour durch weniger erschlossenes Gebiet (Backcountry), wirst du nicht auf diese Möglichkeit zurückgreifen können.

Generell gilt: Nationalparks und Naturschutzgebiete sind tabu. Hier ist in den meisten Ländern nicht nur das Campen sondern auch das Biwakieren illegal.

Musst du trotzdem dein Lager für eine Nacht aufschlagen, sollte es an einen wenig einsehbaren Platz sein, der weder andere Lebewesen stört, noch der Vegetation schadet. Campe nicht an einem Bachlauf im Wald, hier würdest du wahrscheinlich Tiere bei der Wasseraufnahme stören. Vegetationsarme Untergründe wie Stein, Kies oder Sand solltest du vorziehen, aber beachte, dass es sich nicht um ein trockenes Flussbett handelt.

Musst du doch eine vegetationsreiche Fläche wählen, bleibe nur für eine Nacht, trample so wenig wie möglich in der Gegend herum und breite dich nicht unnötig aus. So hat die Umwelt eine Chance einen einzelnen Camper zu „verdauen“. Der Bereich sollte im Anschluss genauso aussehen, wie du ihn zu Beginn vorgefunden hast.

7. Liegenlassen statt einpacken

Alles was du nicht selbst mitgebracht hast, lässt du zum Schutz des natürlichen Ökosystems einfach dort, wo du es gefunden hast.

Insbesondere das Pflücken von lebenden Pflanzen und Blättern und das Abbrechen von Ästen und Hölzern ist zu vermeiden.

Aber auch das Sammeln von Steinen, Stöcken und Früchten hat Einfluss auf den Lebensraum. Damit entfernst du zum Beispiel Baumaterialien für Vögel, Unterschlupfmöglichkeiten für Kleintiere und Futter für Säugetiere.

8. SCHÜTZE UNSER KOSTBARSTES GUT

Campe, koche und verrichte dein Geschäft nicht direkt an Wasserläufen, Seen oder Quellen.

Wasserquellen dienen nicht nur dir als Trinkwasser sondern sollen auch weiterhin in ihrer Qualität anderen Lebewesen dienen. Gegen ein erfrischendes Bad ist nichts zu sagen, doch verzichte dabei auf Seifen und Shampoo und beachte zusätzlich ob du zuvor Sonnencreme oder andere Pflegeprodukte verwendet hast, die sich im Wasser lösen können.

Auch das Spülen von Geschirr mit Spülmitteln solltest du vermeiden. Es gibt immer mehr biologisch abbaubare Produkte, die sich aber ebenfalls negativ auf die Wasserqualität auswirken können.

In vielen Gegenden kannst du das Wasser im Backcountry selbst gut als Trinkwasser nutzen, insbesondere in den höheren Lagen. Mit einem geeigneten Filtersystem kannst du auf Nummer sicher gehen und bist unabhängig von teuren Plastikflaschen.

Diese und vorherige Grafiken bzw. Illustration bezogen und abgeändert von:
https://www.istockphoto.com/de/portfolio/ovochevazhanna?assettype=image&mediatype=illustration

Auf der Seite von „Leave no Trace“ findest du eine Vielzahl nützlicher Tipps und Anregungen zum Verhalten bei Outdooraktivitäten, die über die von mir aufgeführten Aspekte für das Wandern und Laufen hinausgehen. Doch Wissen allein hilft nicht, wir sollten uns alle um eine disziplinierte Anwendung bemühen und so unseren Planeten auf unsere kleine und bescheidene Weise schützen. Es schadet auch sicher nicht seine eigenen Beweggründe und die anderer für einen Aufenthalt in der Natur zu hinterfragen.

In diesem Sinne

„Happy Earth Day – show you care“

Comments

  • Gisi
    28. April 2021

    Dieser Beitrag sagt einfach alles… Ich wünsche mir, das immer mehr Menschen das beherzigen… Solche Berichte sind so wichtig, besonders für Anfänger… Danke

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  • Nina
    28. April 2021

    Danke für die Zusammenfassung der wichtigen Regeln 🙃👌

    reply
  • 5. Mai 2021

    Sehr schön geschrieben Saskia, ich hoffe das sehr viele Menschen diesen oder ähnliche Artikel und Blogs lesen.
    Danke für deinen wertvollen Beitrag.
    Glg Thomas 😉

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