Wo die Berge das Meer berühren – Slowenien

Entlang der Küste

Nach meiner Alpenquerung kehrte ich direkt nach Slowenien zurück, denn es gab noch einiges zu entdecken, wofür man eben auf einer Langstreckenwanderung keine Zeit hat.

So startete ich meine Rundreise an der äußerst kleinen, aber feinen Küste Sloweniens. Gerade mal 46 Kilometer ist die slowenische Küste lang, also maximal zwei Tagestouren zu Fuß. Highlight an der Küste war für mich die kleine Stadt Piran im südlichen Teil. Aber auch die Küstenstadt Izola gefiel mir gut. Kleine, enge Gassen, eine lange Strandpromenade und überall die Möglichkeit in das angenehm warme Wasser zu hüpfen. Koper hingegen ist deutlich größer und liegt am größten Hafen Sloweniens.

An der Küste erfüllt ich mir einen ersten kleinen Wunschtraum, denn ich konnte endlich mal das Stand-up Paddeln austesten, natürlich lieber direkt auf dem Meer, als auf dem See.

Ich entschied mich für einen Einsteigerkurs von Halo Sup. Iztok, der SUP Lehrer, machte seine Sache dabei wirklich gut. Ein paar Trockenübungen sowie Hinweise zu Strömungen, Wind und Wetter und dann ging es auch schon auf das Wasser.

Und es wackelte und wackelte. Nach aber nur 5 Minuten konnte ich mich eingewöhnen und es wurde weniger wackelig. Ich hatte nur die ganze Zeit Sorge, beim Sturz ins Meer meine Brille zu verlieren. Hier sind definitiv Kontaktlinsen die richtige Wahl!

Glücklicherweise war das Meer aktuell so sauber und klar, dass man die drei Meter bis zum Grund sehen konnte. Das war seit Jahren nicht der Fall, erzählte mir Iztok. Man konnte sogar die riesigen Muscheln am Meeresgrund sehen und das in einer Region, in der ein großer Frachthafen in der Nähe liegt. Vielleicht hätte ich dann ja auch meine Brille wieder gefunden… wobei ich sehe ja ohne nicht so weit, also eher nicht.

Mit kleinen Herausforderungen, wie dem Hüpfen, Aufstehen, Hinlegen und zügig und spontan unter Stegen hindurch gleiten wollte Iztok es doch unbedingt schaffen, dass ich in das Wasser falle. Das gehört halt dazu.

Ankaran

HA! Alle Aufgaben gemeistert. Bis zum Schluss zumindest. Ahja dieser eine unkonzentrierte Moment….

Zum Glück habe ich meine Brille nicht verloren und bin auch wieder auf das Brett hoch gekommen. 

Übrigens ist Stand-Up Paddeln besonders gut für die Fußmuskulatur, wie ich feststellen durfte. Die Bewegungen auf dem Board sind ein super Ausgleich zu der einseitigen Gehbewegung in festen Schuhen. Also eine Sportart für alle Plattfüße! 

An der Küste kann man übrigens auch tauchen, Kitesurfen, Kanu fahren und Segelboot fahren. Natürlich wird zu jeder Sportart auch ein Anfängerkurs angeboten. Es lässt sich natürlich auch einfach im Meer baden. Wie an der Adria üblich, sind die meisten Strände mit Kieselsteinen oder größeren Steinen versehen. Sandstrände sind sehr selten zu finden.

Karsthöhlen, Reeben und Städte

 

Von der Küstenregion gelangt man relativ schnell in die Weinberge und Karstregionen. Hier reiht sich Höhle an Höhle und wenn man in Slowenien ist, sollte man mindestens eine besichtigen. Die zweitgrößte, touristische Tropfsteinhöhle der Welt befindet sich in Postojna. Das Höhlensystem ist über 24 Kilometer lang. Als Tourist kann man davon 5 Kilometer sehen. 

Besonders eindrucksvoll war für mich aber die Höhle im Regionalpark Škocjanske. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich Teil des Films Herr der Ringe und würde gleich auf eine Horde Orks treffen. In dieser Höhle, wie auch in anderen war es allerdings nicht gestattet Fotos zu machen. Die unterirdische Welt wirkt auf einen fast künstlich, wie in einem Freizeitpark, jedoch sind die zu sehenden Stalagmiten, Stalaktiten und Kalksäulen nicht aus Gips gegossen sondern über viele tausend Jahre gewachsen. Übriges benötigt es für 1mm Stalaktit ca. 10 Jahre! Deshalb sollten die wundervollen Gebilde auch nicht berührt werden.

Jede Höhle bietet vielfältige Touren an. So kann man einige Höhlen mit dem Zug und/oder zu Fuß erkunden. Andere mit dem Schlauchboot, dem Kajak oder dem Fahrrad. Dabei gibt es Touren unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades bis zur Höhlenexpedition.

Ich habe hier einmal ein paar für mich interessante Höhlen verlinkt. Es gibt natürlich etliche mehr.

 

Karst und Wein prägen die gesamte südliche und südöstliche Fläche Sloweniens. Hier kann man sich auch für die absolute Ruhe in ein altes Weingut einmieten oder ein gesamtes „Weinhäuschen“ für sich bekommen.

In Slowenien ist man eigentlich überall relativ schnell. Von Ljubljana aus ist man in der Regel in alle Richtungen maximal zwei Stunden unterwegs. Ausser man entscheidet sich für sehr kleine Straßen, denn diese sind häufig sehr holprig und ich würde sie eher als Wanderwege bezeichnen. So wurde meine eigentlich geplante „kürzere Route“ dann doch zeitlich deutlich länger als die Autobahnstrecke. Dafür war sie aber auch spannender für mich und auch für das Auto!

 

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In Ljubljana lohnt sich ein Aufenthalt für zwei bis drei Tage. Obwohl es die Hauptstadt ist, ist sie wirklich klein und übersichtlich. Das tolle an der Stadt ist, dass der gesamte innere Bereich nur den Fahrradfahrern und Fußgängern gewidmet ist. Ich empfand die Stimmung in der Stadt als unglaublich entspannt, kein Trubel und eine warme, freundliche Atmosphäre. Ljubljana ist kreativ, innovativ und offen. Man findet schnell Anschluss und kann ganz entspannt shoppen gehen, ja auch das muss mal sein.

Ljubljana

Die Stadt Celje hat eine wundervolle Burg zu bieten. Die Altstadt an sich lohnt für einen kurzen Spaziergang. Ansonsten gibt es hier noch riesige Einkaufspassagen für die Regentage.

Burg Celje

 

Die BErgwelt

Nördlich von Ljubljana zeigen sich schon nach 20 Minuten Autofahrt die Steiner Alpen. Schnee zeigte sich bereits auf den hohen Gipfeln und dennoch stand nochmal eine Tour zur Velika planina an. Die Velika planina ist eine heute noch genutzte Großhirtensiedlung. Mit genügend Kleingeld in der Tasche kann man sich eine der wenigen Hütten als Urlauber mieten und das Leben auf dem Berg miterleben. Ich durchlief das bereits leere Gebiet rund um den 1667 Meter hohen Berg Gradisce.  

Wer es bequemer mag, findet hier auch zwei Seilbahnen auf den Berg.

Velika planina

Von den Steiner Alpen ging es weiter Richtung Bled, dem Klassiker in Slowenien. Ehrlich gesagt, war ich eher enttäuscht. Das lag aber auch an dem überaus schlechten Wetter. Erst am nächsten Morgen zeigte sich die Besonderheit dieses Ortes und es machte Freude am See entlang zu laufen. Die Burg in Bled war mir allerdings zu teuer und da ich bereits einige Schlösser und Burgen besucht habe, war es dann auch genug. In der Nähe des Bled Sees liegt auch noch Bohinj mit einem weiteren schönen See.

Bled

Den Triglav Nationalpark habe ich ja bereits zu Fuss erkundet, nun war alles bequemer und schneller. Der Unterschied war dieses Mal, dass auf den Bergen bereits Schnee lag. Das war dann auch der einzige Grund, weshalb ich dieses Mal glücklich war, mich hin und wieder in das warme Auto zu setzen. Meine geliebten Schafe, die ich nochmal suchen wollte, waren bereits ins Tal gezogen und so genoss ich einfach nur die Aussicht auf die schneebedeckten Gipfel, die ich aufgrund des letzten Sturms gar nicht so sehr wahrnehmen konnte.

Glücklicherweise entdeckte ich noch zwei wunderschöne Wasserfälle bei kleinen Wanderungen. In Slowenien gibt es zwar unendlich viele Wasserfälle, aber bei einer meiner Entdeckungen konnte man einen Gang hinter den Wasserfall wagen. Das ganze war zwar ziemlich nass und rutschig, die Aussicht und der Weg an sich aber phänomenal.

Zur Soca Quelle

Zum Glück wurde das Wetter wieder besser und ich konnte es endlich zur Soca-Quelle wagen. Hier war ich auch durchaus froh, dass ich den Weg ohne den großen Rucksack gehen konnte, denn der Aufstieg war eine ziemliche Herausforderung für meine Höhen- und Absturzangst. Es ging überwiegend über seilgesicherte rutschige Felsen bis tief hinein zwischen die Felsen zur Quelle.

Wer also gerne in der Natur unterwegs ist wird die Vielfalt Sloweniens zu schätzen wissen. Das Land wird häufig unterschätzt aber meiner Meinung nach, ist es definitiv einen oder mehrere Urlaube wert. In Slowenien schätzt man offene, naturbegeisterte Menschen, erwartet aber auch, dass man die Umwelt nicht unnötig belastet. Ich habe in bisher keinem anderen Land so viele Mülleimer in den Nationalparks gesehen und nur Singapur hatte sauberere Straßen. Ich werde definitiv nochmal zurückkehren.

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